Es gibt unter Fotgrafen einige beliebte Merksprüche die immer wieder auftauchen, so aber nicht, oder nur teilweise stimmen.
Eine der bekanntesten davon ist wohl:

Blende acht bei Tag und Nacht

Dieser Spruch stammt aus Zeiten, in denen Kameras* nur eine Verschlusszeit hatten und die Belichtung über die Blende geregelt wurde. Blende acht kann bei Landschaftsaufnahmen und ähnlichen die richtige Wahl sein. Auch bei Nachtaufnahmen führt eine weiter geschlossene Blende zu strahlenförmigen Lichtern. Möchte man aber das Motiv „freistellen“, also nur wenig Schärfentiefe haben, benötigt man eine weiter geöffnete Blende.
Zur Blende gibt es weitere Merksprüche:

Für Mensch und Tier nimm Blende vier

Blende bis Drei- Hintergrund wird Brei

Blende vier im Zimmer stimmt immer

 

Diese Merksprüche stammen aus Zeiten, in denen das Kleinbildformat das verbreitetste Filmformat war. Sie treffen für Kameras mit Sensoren in dieser Größe auch heute noch bedingt zu. An Kameras mit kleineren Sensoren, verwendet man aber zwangsläufig auch kürzere Brennweiten, was wiederum zu mehr Schärfentiefe, auch bei niedrigen Blendenzahlen führt. So werden sie zum Beispiel an einer Kompaktkamera mit 2/3″ Sensor, bei Blende f/4 kaum noch Mensch oder Tier freistellen können.
Und das mit Blende Vier kommt daher, dass früher f/4 oft die größtmögliche Blendenöffnung an (leistbaren) Objektiven war. Wenn sie wirklich wenig Schärfentiefe möchten, fotografieren sie Mensch und Tier mit Blende 1,4, 1,8 oder 2. (Bezogen auf Sensoren im Kleinbildformat)

Zwischen eins und drei, hat der Fotograf frei.

In der grellen Mittagssonne, sind die Bilder für die Tonne.

Diese beiden Sprüche beziehen sich auf das meist nicht so schöne Licht zur Mittagszeit. Sie stimmen zum Teil – Das Licht ist um diese Zeit meistens hart und grell und die Sonne knallt direkt senkrecht von oben auf das Motiv. Dennoch kann es sein, dass manche Motive nur um diese Zeit überhaupt Licht abbekommen – Etwa in Städten, wo ansonsten Gebäude das Motiv beschatten. Aber auch manche Landschaft kommt in diesem Licht gut zur Geltung. Also einfach mal ausprobieren 🙂

Sonne im Rücken, Auslöser drücken.

Um Gottes Willen – Nein!
Wenn sie die Sonne im Rücken haben, wird ihr Motiv frontal von vorne angeleuchtet. Ganz ähnlich, als würden sie den internen Blitz ihrer Kamera verwenden. Das kann in manchen Situationen gut aussehen, führt in der Regel aber zu platten, konturlosen „totgeblitzten“ Bildern.
Schauen sie sich einmal bewusst ausgezeichnete Landschaftsfotos an. Sie werden feststellen, das der Fotograf in den meisten Fällen die Sonne NICHT im Rücken gehabt hat.

Schneide nie unterm Knie.

Ist es strittig, mach es mittig

Vordergrund macht Bild gesund, Mittelgrund tut Absicht kund, Hintergrund nicht kunterbunt.

Diese Sprüche drehen sich um die Bildgestaltung. Nicht unter dem Knie zu schneiden ist meistens tatsächlich ein guter Rat. Entweder weiter oben, oder die Füße drauf lassen. Trotzdem- Manchmal passt auch der Schnitt unterm Knie.
Es mittig zu machen, wenn es strittig ist – Die meisten Fotografien sind irgendwo zwischen Drittel-Regel und goldenen Schnitt gestaltet. Zuweilen gibt es auch Bilder, bei denen das Motiv extrem eng am Bildrand positioniert wird. Und es gibt eben auch Motive, bei denen eine Platzierung genau in der Bildmitte am besten wirkt. Häufig sind das sehr symmetrische Bauwerke oder Anlagen, aber auch bei Porträts mit direktem Blick in die Kamera, kann eine mittige Platzierung mitunter die geeignetste sein.
Kann- Aber muss nicht. Dies gilt auch für die Sache mit Vordergrund macht Bild gesund etc… . In vielen Fällen ist eine solche Komposition die Richtige. Aber nicht immer braucht ein Foto diese Dreiteilung und manchmal ist ein kunterbunter Hintergrund genau das richtige.
Gestaltungsregeln sind generell nur eine Hilfe und Orientierung, sollten aber niemals als „Nur so und nicht anders“ verstanden werden.

Neben diesen Sprichwörtern gibt es auch einige „Fakten“, die immer wieder zu lesen sind, so aber nicht stimmen:

„Normalbrennweiten“ entsprechen dem Blickwinkel des menschlichen Auges.

Nein und ja. Als „Normalbrennweite“ gelten Objektive, deren Brennweite der Diagonale des Aufnahmeformates entspricht. Am Vollformatsensor (Kleinbildformat) wären das rund 43 mm, wobei sich 50 mm Brennweite als Normalobjektive durchgesetzt haben.
Der Bildwinkel entspricht hier rund 47° Grad – Der Mensch hingegen, deckt mit seinen beiden Augen einen Bildwinkel von beinahe 180° ab. Von daher stimmt die obige Aussage nicht.
ABER- Der Bildwinkel und die Art wie wir im Alltag gemeinhin bewusst wahrnehmen, sowie die perspektivischen Eigenschaften von Bildern, die mit 50 mm Brennweite am Vollformatsensor aufgenommen wurden, ähneln sich sehr stark.  Wir empfinden also Fotos in diesem Brennweiten-bereich als normal und natürlich.

„Die Brennweite ist egal-Ich muss einfach nur näher ans Motiv oder weiter davon weg“

Diese Behauptung wird immer wieder aufgestellt und führt in Fotoforen im Internet oft zu erbitterten Diskussionen. „Ja“, sagen die einen, „Nein“, rufen die anderen. Das Problem – Beide haben Recht.
Wenn ich eine plane Fläche, also zum Beispiel eine glatte Wand fotografiere, dann ist es egal, ob ich das mit 5,50, oder 500mm Brennweite tue. Solange ich weit genug von der Wand weg oder nahe genug heran gehen kann, bekomme ich den selben Bildausschnitt.
Jetzt ist es aber so, dass man in der Regel nicht nur Wände fotografiert, sondern Motive mit Räumlichkeit hat. Und genau da, hilft mir eine Veränderung meines Standortes nur mehr in Bezug auf die Größe meine Hauptmotives weiter.
Hier ein Beispiel:

Wir sehen also: Durch Veränderung meines Standortes, bekomme ich natürlich  mein Hauptmotiv in der selben Größe auf das Bild.
ABER- Beim Weitwinkel mit 28mm bekomme ich zugleich mehr Hintergrund aufs Bild, als mit leichtem Tele mit 70mm.

So weit so gut. Ich hoffe, ihnen hiermit den einen oder anderen Mythos aufgeklärt zu haben und wünsche ihnen viel Spaß mit ihrem Hobby und „Allzeit gut Licht“

ihr Hausfotograf, Manfred Herrmann

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