Die Kameras im Smartphone werden immer besser. Bereits heute, verzichten viele auf die Kompaktkamera und greifen stattdessen lieber zum Handy. Sind Smartphones also die Kameras der Zukunft?

Fakt ist – Eine sehr gute Handykamera kann einer guten Kompaktkamera durchaus ebenbürtig sein, ja sie unter Umständen in der Bildqualität sogar übertreffen. Ein Fotograf der weiß was er tut, kann mit einem geeigneten Smartphone durchaus ansprechende Fotos in hoher Qualität schießen. Wo also, sind heutzutage die Grenzen in der Smartphone-Fotografie und wofür braucht man überhaupt noch professionelle Kameras?

Sehen wir uns dafür einige technische Komponenten an, die für die Fotografie wesentlich sind:

Der Bildsensor:

Handykameras haben von allen Kameras die kleinsten Bildsensoren verbaut. Je kleiner der Bildsensor, desto eher kommt es zum „Bildrauschen“ bei höheren Iso-Werten. Allerdings wird auch hier die Technik immer besser und es steht zu erwarten, dass früher oder später auch diese Mini-Sensoren high-Iso fähig werden.
Der Grund, warum man einstweilen nicht einfach größere Sensoren ins Handy baut, ist neben dem begrenzten Platz im Gehäuse, die notwendige Brennweite, um auf einen brauchbaren Bildwinkel zu kommen. Je größer der Sensor, desto länger muss die Brennweite sein. Hätte man theoretisch einen Sensor im KB-Format im Handy verbaut, bräuchte man für einen Bildwinkel im gemäßigten Weitwinkelbereich, bereits 28 mm Brennweite. Man hätte dann auf der Rückseite des Smartphones also ein Objektiv mit mindestens 3 cm Länge sitzen, welches für eine entsprechende Lichtstärke und Bildqualität auch entsprechend breit werden müsste. – So ein Handy wäre also alles andere als kompakt und leicht.

Die Brennweite:

Durch die sehr kleinen Bildsensoren, haben wir nun also sehr kurze Brennweiten. Das kommt der Kompaktheit zugute, hat aber zugleich Auswirkung auf die Schärfentiefe. Die wächst nämlich mit abnehmender Brennweite, und in der Tat spucken Smartphones Fotos mit großer Schärfentiefe aus. Das ist natürlich durchaus okay, wenn man Fotos mit viel Schärfentiefe haben will. Möchte man das Motiv aber „freistellen“, also den Hintergrund unscharf werden lassen, dann geht dies mit diesen kurzen Brennweiten, auf physikalischem Weg, kaum mehr.
Alternativ lässt sich die entsprechende Unschärfe natürlich in der Bildbearbeitung, entweder mittels Voreinstellung am Handy, oder in einem extra Bildbearbeitungsprogramm, simulieren. Wie überzeugend das funktioniert, hängt von der jeweiligen Software ab – Aber auch hier tut sich einiges und es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis auch das geschulte Auge des Vollformat – Fotografen keinen Unterschied im Bokeh mehr feststellen kann.

Handy oder Vollformatkamera?

Einstellmöglichkeiten:

Von den Einstellmöglichkeiten her, richten sich die meisten Smartphones nach wie vor an den Gelegenheitsknipser. Es gibt meist eine Vollautomatik, einige Motivprogramme, die Möglichkeit, den Blitz aus oder ein zu schalten und den ISO-Wert einzustellen.
Einige wenige Modelle, bieten mittlerweile aber auch die Möglichkeit, einen manuellen Modus zu verwenden – Bzw. lässt sich diese Möglichkeit teilweise mithilfe von Aps nachrüsten. Eingeschränkt bleibt man hier trotzdem. Die meisten Handys haben eine fixe Blende, was aber aufgrund der oben erwähnten, kurzen Brennweiten ohnehin nicht wirklich wesentlich ist.
Was bleibt, ist also die Regulierung der Belichtungszeit über den ISO-Wert. Da gibt es bislang nur wenige Smartphones, die lange Belichtungszeiten im Sekundenbereich zulassen. Sternenhimmel fotografieren, fällt also mit den meisten Smartphones derzeit noch aus.

Sucher und Haptik:

Einen optischen oder digitalen Sucher, sucht man bei Smartphones natürlich vergeblich. Das spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn das Display im Sonnenlicht stark spiegelt und die Bildgestaltung dadurch erschwert wird.
Auch das vornehmen der Einstellungen über den Touchscreen oder über die kleinen Bedienelemente am Gehäuse, sind nicht unbedingt jedermanns Sache. Letztendlich ist das natürlich auch eine Frage der persönlichen Gewohnheiten.

Fazit:

In weiten Teilen der professionellen Fotografie, wird das Handy auch längerfristig kein adäquater Ersatz für Spiegelreflex/Systemkameras sein, insgesamt und vor allem als Zusatzausrüstung, aber doch immer wichtiger werden.
Für den gelegentlichen Hobby – Fotografen, der hauptsächlich Erinnerungsbilder im Urlaub, auf Familienfeiern und Ausflügen macht, ist es heute aber bereits durchaus eine Überlegung wert, sich anstatt einer Kompaktkamera, ein Handy mit guter Kamera zuzulegen.

Egal mit welcher Kamera ihr nun loszieht – „Allzeit gut Licht“, wünscht euch euer Hausfotograf Manfred Herrmann!