Bildkritik für A….löcher – warum dieser Titel?

 

Liest man sich ein wenig durch diverse Fotogruppen und Fotoforen auf Facebook*, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viel Leute die Bilder kommentieren entweder unfähig, oder schlicht unwillig sind, konstruktive Bildkritik zu üben*. Man kommt oft nicht umhin zu denken, dass es sich bei dem „Kritiker“ schlicht um ein A….loch handelt, das lediglich versucht, sich durch knackige aber leider völlig unnütze Aussagen zu profilieren. 

 

Bildkritik ist elementar für bessere Bilder

 

Obiges ist doppelt schade, weil konstruktive Bildkritik auf dem Weg zu besseren Bildern extrem wichtig ist. Ein entsprechendes Feedback* – aber auch die Fähigkeit, seine eigenen Bilder auf kritische Weise zu betrachten – hilft vor allem auch Anfängern enorm viel. Im Folgenden geht es in diesem Artikel also um konstruktive Bildkritik sowie auch um den Umgang damit. 

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Was bedeutet Bildkritik eigentlich?

 

Bildkritik bedeutet in erster Linie NICHT eine Wertung abzugeben. Weder im positiven, noch im negativen Sinne. „Super Bild“ wird zwar lieber gehört, ist aber genauso unnütz wie „Sch… Bild“.

Der persönliche Eindruck, die Emotionen und Gefühle, die ein Foto auslöst oder eben nicht auslöst, können Teil einer Bildkritik sein. Diese mitzuteilen sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Fotograf konkret danach fragt, also beispielsweise: „Wie wirkt dieses Bild auf euch? Löst es etwas in euch aus?“
In diesem Fall sind antworten wie: „Tut mir leid, wirkt banal auf mich, sagt mir nichts.“, oder „Es wirkt sehr düster auf mich.“ etc. durchaus angebracht. Der Fragesteller möchte ja wissen, wie sein Foto auf emotionaler Ebene auf Außenstehende wirkt. Antworten wie „Das Bild ist Mist.“, sind jedoch auch hier fehl am Platz. 

Die genaue Betrachtung und sachliche Beschreibung eines Bildes ist für eine sachliche Bildkritik extrem hilfreich. 
Nehmen wir einmal an, jemand hat das Bild unten in eine Fotogruppe auf Facebook eingestellt, mit dem Text: „Habe mich mal an Food-Fotografie versucht. Wie findet ihr es, was kann ich besser machen?“ 

Der erste Schritt für eine vernünftige Bildkritik besteht nun darin, dass Bild zu betrachten und kurz und sachlich zu beschreiben. Das sorgt einerseits dafür, dass man sich selbst das Bild nicht nur oberflächlich ansieht, sondern es tatsächlich genau anschaut. Andererseits vermittelt es dem Fragesteller auch, dass man sich auf sachliche Weise mit seinem Foto auseinandergesetzt hat. Das könnte nun beispielsweise so aussehen:

Das Bild zeigt eine Ente in einer Bratpfanne aus Edelstahl, die auf einem Elektroherd steht. Die Perspektive ist schräg von oben, das Bild weist relativ viel Schärfentiefe auf. Das Licht kommt von links und spiegelt im unteren, linken Bereich der Ente sehr stark, was zu einigen Überstrahlungen führt. Ansonsten ist die knusprige Haut der Ente sehr gut zu erkennen. Deutlich zu sehen ist auch das Bratfett unter dem Gitter. Die Bratpfanne selbst ist im Bild nicht zentriert und auf der rechten Seite weiter angeschnitten als auf der linken. Am oberen Bildrand ist die Spiegelung eines Teils des Herdes zu erkennen. Die leicht gekrümmte Linie lässt darauf schließen, dass ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Rechts oben findet sich noch der Teil irgend eines Gegenstandes aus Edelstahl. 

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Auf Basis dieser Betrachtung kann man nun die Bildkritik um Verbesserungsvorschläge erweitern. Zum Beispiel:

Ich finde Perspektive und Bildaufbau sind für ein klassisches Food-Foto nicht optimal. Das Bild wirkt auf mich persönlich eher wie zufällig geknipst, als bewusst gestaltet*. Auch die Bratpfanne mit dem Fett wirkt meiner Meinung nach eher unappetitlich. Du könntest beim nächsten Mal versuchen, die Ente vor dem Fotografieren auf einem Teller schön anzurichten und eine andere Perspektive zu wählen. Beispielweise gerade von vorne oder senkrecht von oben. Um überstrahlte Flächen auf der Haut zu vermeiden, solltest du eher unterbelichten und in der Nachbearbeitung aufhellen, bzw. schon bei der Aufnahme so weit wie möglich für eine geeignete Beleuchtung sorgen*

Eine solche Bildkritik ist optimal. Sie enthält konstruktive Vorschläge, um es das nächste Mal besser zu machen. Außerdem ist sie zusätzlich noch so formuliert das deutlich wird, dass es sich dabei um die persönliche Meinung des Kritikers handelt und keine unumstößliche Wahrheit verkündet wird. Das ist zwar nicht unbedingt ein muss, hilft aber vor allem bei der schriftlichen Kommunikation im Internet. 
In weiterer Folge können natürlich auch konkrete Vorschläge zum Aufbau eines geeigneten Setups, Links zu Tutorials etc. gepostet werden.  

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Der sachliche Umgang mit Bildkritik

 

Gegenpol zu den A….loch-Kritikern sind jene, die Fotos mit der Bitte um Feedback einstellen, in Wahrheit aber keine konstruktive Bildkritik möchten, sondern nur auf Bauchpinseleien ala „Super Bild, tolles Motiv“ hoffen. 
Was passiert, wenn diese beiden Pole aufeinandertreffen, weiß wohl jeder, der regelmäßig in Fotogruppen im Netz zugange ist.

Wer mit sachlicher Bildkritik nicht umgehen kann, sollte auch nicht danach fragen.
Ein sachlicher Umgang mit Bildkritik besteht schlicht darin, sie einfach zur Kenntnis zu nehmen. Ob oder inwiefern man mit dem Kritiker übereinstimmt oder nicht, muss man letztlich für sich selbst entscheiden. Es gehört zum guten Ton, sich kurz für eine sachliche Kritik zu bedanken. Unsachliche Kritik ignoriert man am besten. Auch, wenn es schwer ist. Umgekehrt hat es meist auch keinen Sinn, als sachlicher Kritiker auf eine unsachliche Kritik an der Kritik einzugehen… 😉  

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Hilfe zur Bildkritik

 

Im folgenden noch einigen Gedanken die Dir zukünftig vielleicht beim Kritisieren sowie beim Annehmen von Kritik helfen:

„Wahrheiten“ in der Fotografie, „Mainstream“

Es gibt so wie überall auch in der Fotografie immer gewisse Trends wie „gute“ Fotos auszusehen haben, bzw. wie etwas fotografiert werden soll oder eben nicht. „Mainstream“ ist wohl das richtige Wort dafür. Entsprechend kann es immer vorkommen, dass ein Foto, welches zwar inhaltlich interessant und technisch in Ordnung ist, dennoch Verbesserungsvorschläge in Richtung des Mainstream-Aussehens bekommt. Das sollte man sowohl beim Kritisieren, also auch beim Annehmen der Kritik im Hinterkopf behalten. 

Kritik am Model

Öfters wird anstelle des Fotos oder des Fotografen das Model kritisiert. Absolut unangebracht ist hier Kritik am Aussehen des Models, wenn es in Richtung: „So viele Tattoos/ Piercings etc. finde ich total hässlich.“ geht. Genau so wie: „Das Model ist viel zu dick, zu dünn etc… .“ Ob einem das Model und sein Körperschmuck gefällt hat rein gar nichts mit der fotografischen Qualität und Umsetzung eines Bildes zu tun.
Anders verhält es sich jedoch, wenn – vor allem im Bereich der Beauty-Fotografie – auf Make-up Fehler oder Haltungsfehler beim Einnehmen der Posen hingewiesen wird*. Dabei geht es jedoch nicht  darum, Model oder Visagistin schlecht zu machen, sondern der Fotograf soll lediglich sachlich darauf hingewiesen werden. 
Unangebracht wiederum, sind Hinweise auf Make-up Fehler, wenn es sich nicht um Beauty-Fotos, sondern um Charakterporträts, spontane Schnappschüsse und ähnliches handelt. Hier sollte vielmehr darauf eingegangen werden, ob das Foto dem Betrachter eben auch Charakter oder Spontanität vermittelt. 
Siehe hierzu auch den obigen Absatz über „Wahrheiten“. Wer ein spontanes Alltags-Porträt zu sehen bekommt, es aber nach den Kriterien eines Beauty-Fotos kritisiert, hat das Thema verfehlt. 

Ist das Kunst oder kann das weg?

Hier sind wir bei einem sehr diffizilen Thema. Sobald ein Foto weg von der handwerklichen Fotografie und vor allem auch weg vom Mainstream geht, wird es schwierig. Gerade in der Fotografie ist die Frage, was nun Kunst oder einfach nur schlecht fotografiert ist, oft kaum zu klären. Beispielsweise kann jemand ganz bewusst verwackelte Bilder machen oder aber, Bilder verwackeln, weil der Fotograf keine Ahnung von den technischen Grundlagen der Fotografie hat. Es hilft in diesem Fall ungemein, wenn der Fotograf dazu schreibt: „Ich habe hier bewusst mit langen Belichtungszeiten aus der Hand experimentiert. Wie findet Ihr…“
Die Diskussion wird dann zwar meist immer noch kontrovers verlaufen, aber die Kritiker können es sich sparen, dem Fotografen die Grundlagen von Belichtungszeit, Blende, etc. zu erklären.* 

Immer dieselben Anfängerbilder…

Mitunter hat man auch den Eindruck, dass nicht-konstruktive Bildkritik deshalb entsteht, weil schon wieder ein Einsteiger ein Foto mit den klassischen Anfängerfehlern darauf gepostet hat. Das lässt sich aber nun mal nicht vermeiden. Jeder fängt mal an und auch jeder macht am Anfang dieselben Fehler, hat dieselben Fragen. Natürlich kann das nervig sein. Aber wer es gar nicht mehr aushält, schaut halt länger nicht in die Gruppe. Jedenfalls ist es kein Grund, in irgend einer Form eine herablassende Kritik, Aussage oder ähnliches zu verfassen.

In diesem Sinne: Allzeit gut Licht und viel Spaß beim konstruktiven kritisieren!

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