Der Fotograf mach das Bild und nicht die Kamera!

 

Dieses unter Hobbyfotografen beliebte Sprichwort trifft natürlich nach wie vor zu. Kamera mögen rein technisch zwar gute und richtig belichtete Bilder ausspucken, auch wenn der Mensch dahinter nicht viel Ahnung davon hat. Die Bildgestaltung jedoch – Wahl der Schärfentiefe, Bildaufbau, bewusster Einsatz der Belichtungszeit, die kreative Bildidee an sich –  bleibt dem Menschen hinter der Kamera überlassen.
Die Frage ist jedoch: Wie lange dauert es noch, bis künstliche Intelligenz* hier tatsächlich dem Menschen gleichgestellt ist, oder ihn vielleicht sogar übertrifft?

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Blasphemie! Kreativität ist für uns Menschen. Eine Maschine kann das nicht!

 

Tja. So sehen wir das gerne. Es gibt allerdings ein ernüchterndes Beispiel, dass KI Kunst schaffen kann. Haltet euch jetzt gut fest:

David Cope, Professor für Musikwissenschaft*, schreibt Programme die klassische Musik komponieren. Auf einem Musikfestival ließ er einige von der KI komponierte Choräle aufführen. Danach erklärten ihm begeisterte Zuhörer, wie sehr sie die Musik in ihrem Innersten berührt hatte. Sie wussten nicht, dass die Komposition von einer KI stammte. Als sie aufgeklärt wurden, reagierten einige regelrecht wütend.
David Copes KI wurde immer bekannter und sorgte unter Klassik-Fans für einige Aufregung. Schließlich forderte ein Porfessor Steve Larson, Cope zu einem musikalischen Showdown heraus. 
Das Duell ging so: Es wurden drei Stücke gespielt. Ein von Bach komponiertes, ein von der KI komponiertes und eines, welches Larson selbst geschrieben hatte. Larson war sich sicher, dass die Zuhörer den Unterschied zwischen den Werken erkennen würden.

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Ein ernüchterndes Ergebnis im Duell KI-Kunst gegen Menschen-Kunst

 

Das Ergebnis des Duells war ernüchternd. Bei dem von der KI komponierten Stück glaubten die Menschen, es sei ein echter Bach. Das Stück von Bach hielten sie für Larsons Komposition und das Stück von Larson für die Schöpfung der KI.  

Erschütternd, nicht wahr? Eine Hörprobe von der KI-Musik gibt es hier*. Wer sich generell für das Thema interessiert, dem seien die Bücher von Yuval Noah Harari empfohlen. 

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Aber kann KI auch gute Fotos machen?

 

Die Frage ist eher: Warum sollte sie das nicht können? Wenn KI Bach komponieren kann, warum dann nicht auch ein Foto? Kunst lässt sich mathematisch erfassen. Bilder genau so wie auch Choreografien. Und auch der menschliche Anteil darin – der kleine Fehler, die Abweichung, narrative Elemente – lassen sich mithilfe von Algorithmen erfassen. So ferne diese dafür eben intelligent und leistungsfähig genug* sind.

 

Wie könnte das in der Praxis aussehen?

 

Das realistischste Szenario ist, dass uns die Kamera bereits bei der Aufnahme Vorschläge unterbreitet. Sie erkennt Motiv- und Lichtsituation* und bietet uns eine Reihe von Möglichkeiten an. Etwa mithilfe einer bestimmten Blende eine gewisse Schärfentiefe zu kreieren. Dabei sagt sie uns auch gleich, wo wir die Schärfe hinsetzen sollen. Selbstverständlich ermuntert uns die Kamera auch dazu, entsprechende Brennweiten zu versuchen, die Kamera im richtigen Winkel auszurichten usw. 

Höchstwahrscheinlich haben wir dann auch die Möglichkeiten, Bildstile berühmter Fotografen auszuwählen.  Adams*, Kenna*, Gursky* und für Henri Carter Bresson* kaufen Sie bitte das Upgrade…

 

Zukunftsmusik oder bald Wirklichkeit?

 

Das tatsächlich die Kamera und nicht der Fotograf das Bild komponiert, könnte meiner Meinung nach viel früher der Fall sein, als wir alle glauben. Wer immer noch Zweifel hat, sollte einen Blick auf diesen Wikipedia hier werfen. In der Musik wird KI bereits von vielen Musikern genutzt. Aber auch wir Fotografen profitieren in der Bildbearbeitung von immer leistungsfähigeren Algorithmen, die uns Vorschläge bei der Bildbearbeitung* machen. Derzeit beschränken sich diese noch auf Vorschläge zu Belichtung, Sättigung, Kontrast und den Einsatz verschiedener digitaler Filter. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass recht bald auch Vorschläge für den Beschnitt* kommen werden, sowie „Lerntools“ die simulieren, wie das Bild anders/besser hätte fotografiert werden können. Der nächste Schritt besteht dann darin, diese Features direkt in die Kamera zu implementieren und dann sind wir auch schon bei obigen, intelligenten Kameras… 

In diesem Sinne trotzdem weiterhin: Allzeit gut Licht!

 

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